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Lesezeit: 10 Minuten | Kategorie: Deutsch lernen

 

Für B1 brauchen Erwachsene ohne Vorkenntnisse laut Goethe-Institut etwa 350 bis 650 Unterrichtseinheiten zu 45 Minuten, also rund 260 bis 490 Zeitstunden. Für B2 sind es 600 bis 800 Einheiten, für C1 800 bis 1.000. Wer pro Woche etwa 10 Stunden lernt, erreicht B1 in ungefähr einem Jahr, mit 5 Stunden pro Woche dauert es knapp zwei Jahre.

 

Das sind Richtwerte, keine Garantie. Wenn du schon in Deutschland, Österreich oder der Schweiz lebst und für die Einbürgerung B1 oder für deinen Beruf B2 brauchst, willst du vor allem wissen: Wie lange dauert es bei mir, ab meinem jetzigen Stand? Darum geht es in diesem Artikel. Ich zeige dir, woher die Zahlen kommen, was dein Tempo bestimmt und wie realistische Pläne aussehen.

 

Die Richtwerte des Goethe-Instituts

 

Das Goethe-Institut gibt in den Informationen zu seinen Prüfungen an, wie viele Unterrichtseinheiten Lernende erfahrungsgemäß bis zu einem Niveau brauchen. Eine Unterrichtseinheit (UE) dauert 45 Minuten. 600 UE sind also nicht 600 Stunden, sondern 450. Die Werte zählen jeweils ab null:

 

Niveau

Unterrichtseinheiten (ab null)

entspricht etwa Zeitstunden

A1

80 bis 200

60 bis 150

A2

200 bis 350

150 bis 265

B1

350 bis 650

260 bis 490

B2

600 bis 800

450 bis 600

C1

800 bis 1.000

600 bis 750

 

Auf einer anderen Seite nennt das Goethe-Institut einfachere Durchschnittswerte: etwa 150 UE für A1, 300 für A2, 450 für B1, 600 für B2 und 750 für C1. Beide Angaben gehen von Unterricht aus. Was du zu Hause wiederholst, liest und hörst, kommt dazu.

 

Die Spannen gelten genauso für ÖSD und telc. Das Zertifikat B1 haben ÖSD, Goethe-Institut und die Universität Freiburg (Schweiz) gemeinsam entwickelt, und die Zertifikate aller drei Anbieter sind gleichwertig. Mehr zu den Unterschieden im Format findest du in unserem Vergleich ÖSD oder Goethe.

 

Zum Vergleich: der Integrationskurs

 

Wenn du in Deutschland lebst, kennst du vielleicht den Integrationskurs. Sein Sprachkurs umfasst normalerweise 600 Unterrichtseinheiten, dazu kommt ein Orientierungskurs mit 100 Einheiten. Am Ende steht der Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ), der A2 oder B1 nachweist. 600 Einheiten liegen am oberen Rand der Goethe-Spanne für B1. Trotzdem schafft nicht jede Person im ersten Durchgang B1. Das zeigt, wie groß die Unterschiede zwischen Lernenden sind.

 

Was dein Tempo bestimmt

 

In jedem Kurs sehe ich Menschen, die mit demselben Material, denselben Lehrkräften und denselben Stunden unterschiedlich schnell vorankommen. Vier Faktoren erklären den größten Teil davon.

 

1. Deine Sprachen und deine Schrift

 

Wer Englisch, Niederländisch oder eine skandinavische Sprache spricht, erkennt viele Wörter wieder: Haus, Wasser, Hand. Wer eine romanische Sprache spricht, kennt grammatisches Geschlecht und Konjugation schon. Wenn deine Erstsprache eine andere Schrift benutzt, kommt Arbeit dazu: Das Lesen und Schreiben der lateinischen Schrift ist ein eigener Lernschritt. Der Alphabetisierungskurs im Integrationskurs hat deshalb bis zu 1.300 Unterrichtseinheiten.

 

2. Stunden pro Woche und Regelmäßigkeit

 

Die Gesamtstunden sind ziemlich fest. Was sich ändert, ist die Zeit, in der du sie sammelst. 450 Stunden sind bei 5 Stunden pro Woche 90 Wochen, bei 10 Stunden pro Woche 45. Regelmäßigkeit schlägt Intensität: Viermal pro Woche eine halbe Stunde bringt mehr als drei Stunden am Sonntag, weil Wortschatz ohne Wiederholung schnell verloren geht. Unter 3 Stunden pro Woche haben viele das Gefühl, auf der Stelle zu treten, weil jede Stunde mit Aufholen beginnt.

 

3. Was du zwischen den Terminen machst

 

Die Richtwerte sind Unterrichtszeit. Den Unterschied machen die Minuten danach: Wortschatz wiederholen, Hausaufgaben machen, Texte schreiben und korrigieren lassen. Schon 15 Minuten am Tag, zum Beispiel zehn neue Wörter mit Artikel und Plural (der Termin, die Termine), machen sich nach wenigen Wochen bemerkbar.

 

4. Wo du lebst und wie du die Sprache nutzt

 

Wer in DACH lebt, hört Deutsch beim Einkaufen, im Bus und bei der Arbeit. Das hilft beim Hörverstehen und beim Alltagswortschatz enorm. Es ersetzt aber keine Korrektur. Viele Lernende, die seit Jahren in Deutschland oder Österreich arbeiten, sagen fließend Sätze wie „Gestern ich habe mit dem Chef gesprochen“ oder „weil ich muss morgen früh arbeiten“. Verständlich, aber in der Prüfung kostet es Punkte, und solche Gewohnheiten abzulegen dauert länger, als sie gleich richtig zu lernen. In der Schweiz kommt dazu, dass im Alltag oft Mundart gesprochen wird. Prüfungen und Ämter verlangen Standarddeutsch, das Verstehen von Schweizerdeutsch ist eine zusätzliche Aufgabe.

 

Typische Hürden, die Zeit kosten

 

  • Artikel und Genus. der Löffel, die Gabel, das Messer: Das Geschlecht lässt sich selten ableiten. Lern jedes Nomen mit Artikel, vom ersten Tag an.
  • Kasus. Ich frage den Kollegen. Ich helfe dem Kollegen. Ob Akkusativ oder Dativ, entscheidet oft das Verb.
  • Wortstellung. Im Nebensatz steht das Verb am Ende: Ich lerne Deutsch, weil ich die Einbürgerung beantragen möchte. Trennbare Verben teilen sich: Der Kurs fängt um 19 Uhr an.
  • Lange und kurze Vokale. die Miete und die Mitte, der Staat und die Stadt unterscheiden sich nur in der Vokallänge.

 

Unsere Kurse: Stunden und Monate

 

Am Sprachzentrum Buenos Aires teilen wir jedes Niveau in Subniveaus. Jedes Subniveau hat 60 Stunden: 30 Stunden Live-Unterricht im virtuellen Klassenzimmer und 30 begleitete Stunden auf der Lernplattform. Bis B2 sind es 11 Subniveaus: A1 und A2 haben je 2, B1 hat 3 und B2 hat 4. C1 hat weitere 4 Subniveaus. Inhalt und Preis sind in beiden Formaten gleich, nur das Tempo unterscheidet sich.

 

  • Extensivkurs: ein Termin pro Woche mit 2,5 Stunden. Ein Subniveau dauert etwa 3 Monate. Pro Woche rechnest du mit rund 2,5 Stunden live und 2,5 Stunden auf der Plattform.
  • Intensivkurs: zwei oder mehr Termine pro Woche. Ein Subniveau dauert etwa 6 Wochen. Pro Woche sind das rund 5 Stunden live und 5 Stunden auf der Plattform.

 

So sieht das kumuliert ab null aus:

 

Niveau

Goethe-Richtwert (Zeitstunden)

Stunden bei uns (kumuliert)

Extensiv

Intensiv

A1 (A1.1, A1.2)

60 bis 150

120

etwa 6 Monate

etwa 3 Monate

A2 (A2.1, A2.2)

150 bis 265

240

etwa 12 Monate

etwa 6 Monate

B1 (B1.1 bis B1.3)

260 bis 490

420

etwa 21 Monate

etwa 12 Monate mit Pausen

B2 (B2.1 bis B2.4)

450 bis 600

660

etwa 33 Monate

etwa 15 Monate Unterricht plus Pausen

C1 (C1.1 bis C1.4)

600 bis 750

900

etwa 45 Monate

etwa 21 Monate Unterricht plus Pausen

 

Unsere Stunden liegen am oberen Rand der Spanne, bei B2 und C1 darüber. Das liegt an den 30 begleiteten Stunden auf der Plattform pro Subniveau, die anderswo oft als Hausaufgabe ohne Struktur nebenher laufen. Jeder Kurs hat zwei Lehrkräfte mit DaF-Qualifikation und eine Online-Tutorin, mit höchstens 16 Personen. Als Ergänzung zum Unterricht kannst du mit DAIna Gespräche in Alltagssituationen üben.

 

Realistische Pläne für typische Ziele

 

Die meisten, die uns aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz schreiben, fangen nicht bei null an. Deshalb rechne ich hier ab einem Zwischenstand.

 

B1 für die Einbürgerung oder einen Daueraufenthalt

 

In Deutschland verlangt die Einbürgerung in der Regel fünf Jahre rechtmäßigen Aufenthalt und Deutsch auf B1. Auch für die Niederlassungserlaubnis gilt B1 als „ausreichende Deutschkenntnisse“. In Österreich ist B1 (Modul 2 der Integrationsvereinbarung) Voraussetzung für den Daueraufenthalt EU und für die Staatsbürgerschaft. In der Schweiz verlangt der Bund für die Einbürgerung B1 mündlich und A2 schriftlich, manche Kantone verlangen mehr.

 

Angenommen, du hast A2 abgeschlossen. Bis B1 fehlen dir dann die drei Subniveaus B1.1 bis B1.3, also 180 Stunden. Im Intensivkurs sind das etwa 4 bis 5 Monate, im Extensivkurs etwa 9 Monate. Plane danach noch 4 bis 6 Wochen Training mit dem Prüfungsformat ein. Wenn du nach dem Integrationskurs ein DTZ-Ergebnis A2 hast, ist das ein guter Ausgangspunkt, aber kein exakter Einstieg. Der kostenlose Einstufungstest zeigt dir in etwa 30 Minuten, wo du genau stehst. Ausgewertet wird er von ÖSD-Prüfenden.

 

B2 für den Beruf

 

Für viele qualifizierte Tätigkeiten ist B2 das Ziel. Für die Anerkennung als Pflegefachkraft in Deutschland brauchst du in der Regel einen B2-Nachweis. Von einem soliden B1 bis B2 rechnen wir vier Subniveaus mit 240 Stunden: im Intensivkurs etwa 6 Monate, im Extensivkurs etwa 12 Monate. Wenn du in der Pflege arbeitest, hilft dir berufsbezogenes Deutsch, etwa unser Kurs Deutsch für Pflegekräfte auf A2/B1. Für Ärztinnen und Ärzte gibt es den Fachsprachkurs Medizin auf B2/C1.

 

Vollzeitjob und 5 Stunden pro Woche

 

Das ist der häufigste Fall. Ab null erreichst du mit diesem Tempo in einem Jahr etwa A2 und nach rund 21 Monaten B1. Das klingt lang, ist aber ein Rhythmus, den viele neben Arbeit und Familie durchhalten. Und ein Tempo, das du zwei Jahre hältst, bringt dich weiter als ein starker Start, nach dem du im dritten Monat aufhörst.

 

Was nicht realistisch ist

 

C1 in einem Jahr ab null, neben einem Vollzeitjob. 600 bis 750 Stunden Unterricht plus eigenes Lernen passen nicht in 52 Wochen, außer du lernst fast in Vollzeit. Ebenso wenig realistisch: in drei Monaten von A2 auf B2 zu springen, weil ein Arbeitgeber das verlangt. Sprich in so einem Fall lieber offen über einen Zeitplan, als dich durch eine Prüfung zu hetzen.

 

Kurs geschafft ist nicht Prüfung bestanden

 

Als Prüfer sage ich dir: Der Kurs bringt dich auf das Niveau, die Prüfung misst, was du an einem bestimmten Tag in einem festen Format und unter Zeitdruck zeigen kannst. Wer nach B1.3 regelmäßig Wortschatz wiederholt, Texte mit Korrektur geschrieben und Modelltests geübt hat, geht entspannt hinein. Wer nur im Unterricht war, oft nicht.

 

Rechne vor der Anmeldung mit 4 bis 6 Wochen Prüfungstraining. Wie das konkret aussieht, beschreiben wir in ÖSD-Prüfung vorbereiten, Aufgaben zum Üben findest du im ÖSD B1 Modelltest. ÖSD, Goethe-Institut und telc sind gleichwertig. Welche Nachweise deine Behörde oder deine Anerkennungsstelle akzeptiert, legt sie selbst fest. Frag dort nach, bevor du dich anmeldest, und melde dich dann bei einem Prüfungszentrum in deiner Nähe an. Unser Zentrum ARG 001 nimmt ÖSD-Prüfungen von A1 bis B2 ab, auf Papier und vor Ort in Buenos Aires.

 

Häufige Fragen

 

Wie lange dauert es, Deutsch bis B1 zu lernen?

 

Laut Goethe-Institut brauchen Erwachsene ohne Vorkenntnisse für B1 etwa 350 bis 650 Unterrichtseinheiten zu 45 Minuten, also rund 260 bis 490 Zeitstunden. In unseren Kursen sind es von A1.1 bis B1.3 sieben Subniveaus: etwa 12 Monate im Intensivkurs (mit Pausen) und etwa 21 Monate im Extensivkurs.

 

Reicht ein Integrationskurs für B1?

 

Der Sprachkurs im Integrationskurs hat normalerweise 600 Unterrichtseinheiten und endet mit dem Deutsch-Test für Zuwanderer, der A2 oder B1 nachweist. Viele erreichen damit B1, aber nicht alle. Wer im ersten Anlauf bei A2 landet, braucht danach meist noch einige Monate gezieltes Lernen.

 

Wie lange brauche ich von B1 bis B2?

 

Nach den Durchschnittswerten des Goethe-Instituts liegen zwischen B1 (etwa 450 Unterrichtseinheiten) und B2 (etwa 600) rund 150 Einheiten, wenn dein B1 sicher ist. In unseren Kursen besteht B2 aus vier Subniveaus mit zusammen 240 Stunden: etwa 6 Monate im Intensivkurs oder etwa 12 Monate im Extensivkurs.

 

Wie viele Stunden pro Woche sollte ich Deutsch lernen?

 

Mit etwa 5 Stunden pro Woche kommst du stetig voran, im Extensivkurs ist das ein Subniveau in rund 3 Monaten. Mit etwa 10 Stunden pro Woche schaffst du ein Subniveau in rund 6 Wochen. Unter 3 Stunden pro Woche geht oft zu viel zwischen zwei Unterrichtsterminen verloren.

 

Lerne ich schneller, wenn ich in Deutschland, Österreich oder der Schweiz lebe?

 

Beim Hörverstehen und beim Wortschatz für den Alltag ja, weil du die Sprache jeden Tag hörst. Grammatik und Schreiben werden dadurch aber nicht automatisch besser. Ohne Korrektur verfestigen sich Fehler, und genau die kosten in der Prüfung Punkte.

 

Sind ÖSD, Goethe und telc für die Einbürgerung gleichwertig?

 

Die Zertifikate von ÖSD, Goethe-Institut und telc sind gleichwertig und beschreiben dieselben Niveaus des Referenzrahmens. Welche Nachweise eine Behörde für einen bestimmten Antrag akzeptiert, legt sie selbst fest. Frag deshalb vor der Anmeldung zur Prüfung bei deiner Behörde nach.

 

Erst den Ausgangspunkt kennen

Bevor du rechnest, brauchst du deinen Startpunkt. Mach den Einstufungstest, kostenlos und in etwa 30 Minuten. Dann wählst du das Tempo, das zu deinem Alltag passt: den Extensivkurs mit einem Termin pro Woche oder den Intensivkurs, wenn du schneller ans Ziel willst. Alle Termine findest du unter Alle Kurse.

 

Daniel – DaF-Lehrer und ÖSD-Prüfer am Sprachzentrum Buenos Aires

Über den Autor

Daniel ist Politikwissenschaftler, DaF-Lehrer und ÖSD-Prüfer am Sprachzentrum Buenos Aires, dem offiziellen ÖSD-Prüfungszentrum in Argentinien. Er begleitet seit Jahren Kursteilnehmende vom ersten Niveau bis zur Prüfung und kennt die typischen Fragen und Hürden beim Deutschlernen.


Quellen

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